Atomino Art Festival Manifest v3.1

Atomino – ein Festival und Bühne für experimentelle Kunst

Über das übliche Problem, wenn man versucht dem System zu entfliehen.

Es ist nicht möglich, dem kapitalistischen System in irgendeiner Weise zu entfliehen. Punkt. Das ist für uns ein Axiom. Atomino Art Festival wird nicht versuchen dem System zu entkommen, denn wie gesagt, es ist nicht möglich.

Dennoch ist es möglich einen Veränderung zu starten,  nicht nur über Alternativen nachzudenken, sondern zu handeln und eine Veränderung zu realiseren.

Als wir mit unserem Projekt starteten, wollten wir diese beiden Prinzipien realisieren, egal was passiert.

1.    Freier Eintritt zur gesamten Veranstaltung

2.    Alle Künstler sollten gleich behandelt und -wenn eine vergütet – gleich vergütet werden

Mit diesen zwei Prinzipien attackieren wir direkt den Kunstmarkt. Denn im Kunstmarkt herrschen zumindest diese zwei Prinzipien:

1.    Kunst wird wie jedes andere Konsumgut behandelt.

  1. Eine Konkurrenz zwischen den Künstlern ist notwendig,

Man kann sagen, dass der Kunstmarkt durch diese Prinzipien drei verschiedene Künstlerklassen produziert: Eine Oberschicht, bestehend aus sehr wenigen erfolgreichen und reichen Künstlern. Eine Mittelschicht aus einigen Künstlern, die zwar nicht reich sind, aber immerhin ihren Lebensunterhalt mehr oder weniger gut mit ihrer Kunst bestreiten können. Die Unterschicht ist die zahlenmäßig grösste Klasse. Sie besteht aus Verlierern des Kunstmarkts, welche systematisch ausgebeutet werden – sich unter Wert verkaufen oder den Großteil in die Produktion verwenden müssen - und nicht von ihrer Kunst leben können.

Wenn man von Ausbeutung spricht, kann man jedoch sagen, dass auch die Mittelschicht ausgebeutet wird, da diese Künstler sehr hart arbeiten müssen um ihren Status zu halten. Viele hegen die Hoffnung, dass sie durch harte Arbeit näher an die Oberschicht rücken. In dieser Umgebung ist der Konkurrenzdruck zwischen den Künstlern sehr groß und man kann sagen dass der Kunstmarkt einer der härtesten Märkte darstellt, da es nur ca. 3% aller Kunsthochschulabsolventen schaffen, sich mit Ihrer Kunst einen Lebensunterhalt zu verdienen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese 3% die besten Künstler sind: Meistens haben diese den besten Buisnessapparat, bestehend aus Galeristen und Managern, welche den Markt kennen und den Marktwert des Künstlers zu steigern wissen.

Viele Künstler der Mittel- und Unterschicht leben mit der Hoffnung, es mit harter Arbeit und Verzicht doch noch irgendwie „hinauf“ zu schaffen. Dies ist der größte Mythos des neoliberalistischen Systems. Den Glauben zu wecken, dass jeder es schaffen kann.

In diesem Szenario stehen dem Künstler aus der “Unterschicht” nur drei Möglichkeiten der Existenz offen:

1.    Die Realität akzeptieren, weiter versuchen härter zu arbeiten und Kompromisse in ihren künstlerischen Entscheidungen zu treffen, um “es zu schaffen”

2.    Die Realität akzeptieren, und durch andere Wege, die mit Kunst verwandt sind, versuchen den Lebensunterhalt zu bestreiten.

3.    Die Realität akzeptieren, sich einen Job abseits der Kunst suchen und Kunst als Hobby weiterzuführen

Welche Auswirkungen haben die Regeln des Kunstmarkts und des herrschenden Systems auf die Qualität der Kunst?

 

Atomino kann die Gesellschaft in der wir leben, nicht ändern. Aber es kann anders handeln, als der Kunstmarkt es diktiert. Atomino ist eine Mikroumwelt, in der Kooperation statt Konkurrenz herrschen soll und alle Künstler – egal welchen Bekanntheitsgrades – gleich behandelt werden. Dies hat Folgen: Diejenigen Künstler, welche normalerweise ein gutes Auskommen im bisherigen System haben, werden ihre Erwartungen zurückschrauben müssen. Dies erlaubt umgekehrt, dass Künstler, welche im System weniger gut bestehen können, mit hohen Erwartungen an Atomino herangehen können, da ihnen mehr erfüllt wird als normalerweise.

Üblicherweise wird renommierten Künstler, die auf Ausstellungen und Festivals eingeladen sind, eine Bezahlung und Unkostendeckung für Anreise und Verpflegung gewährleistet. Dadurch werden noch unpopuläre Künstler, wie z.B. Studenten generell benachteiligt. Auf dem Kunstmarkt ist ein Neuling noch nicht viel wert und die meisten akzeptieren, dass ihnen keine Unkosten gedeckt werden. Sie hoffen, ihren Marktwert zu steigern, indem wenigstens  Kontakte geknüpft werden. Gleichbehandlung als Prinzip bedeutet in Atomino, dass allen Künstlern Anreise, Verpflegung und Unterkunft organisiert wird. Atomino gibt damit allen Künstlern, egal wie bekannt, die Möglichkeit den anderen unter gleichen Bedingungen arbeiten und performen zu sehen. Dies eröffnet Räume für Reflexionen über die vorhandenen Unterschiede und die Arbeitsweisen, die durch Atomino entstehen.

Honorare können – zumindest in diesem Jahr - nicht gezahlt werden. Wir standen vor der Frage: wenige Künstler einzuladen und allen das gleiche Honorar zu zahlen, oder auf ein Honorar zu verzichten und diese Mittel zu verwenden, mehr Künstler einzuladen. Wir entschieden uns für die letztere Variante, weil sie nicht nur für das Festival und die Besucher bereichernd ist, sondern auch mehr Möglichkeiten der Kooperation erlaubt. Wenn man die Situation auf der Ebene des Geldflusses betrachtet, kristallisiert sich eine Art Solidaritätsprinzip heraus, denn die bekannten Künstler können den weniger bekannten Künstlern zu einer Festivalteilnahme verhelfen. Durch einen Verzicht auf ein Künstlerhonorar können allen Künstlern Anreisen, Verpflegung und Unterkunft gestellt werden.

An dieser Stelle ist zu sagen, dass wir für unser Vorgehen viel Kritik geerntet haben – von Künstlern von verschiedenen Status, Galerien und Spielstätten. Das Hauptargument unserer Kritiker ist, dass wir durch Verzicht auf Honorare die Entwertung der Kunst vorantreiben würden und unsere Künstler ausbeuten. Klar, wir wollen weder die Kunst entwerten, noch unsere Künstler ausbeuten. Wir sind aber im Gegenteil der Meinung, dass die Ergebnisse  unseres Vorgehen nicht Ausbeutung und Entwertung der Kunst sind. Wir zielen auf eine neue Wahrnehmung von Kunst, und zwar Kunst nicht als Konsumgut und der Legitimierung des Künstlerberufs an sich, frei von kommerziellen Zwängen.

Wir sind noch weit von einer Lösung entfernt und können kein Patentrezept bieten. Wir erörtern verschiedene Möglichkeiten, durch die wir unsere Künstler adäquat vergüten können. Vor allem wollen wir auf die herrschenden Regeln des Kunstmarktes aufmerksam machen.

Denn wir können die herrschenden Umstände nicht ignorieren und gutheißen, dass Künstler ohne Lobby genötigt werden, sich unter Wert zu verkaufen, mit der Begründung dass alles, was man gern mache ohne Diskussion unentgeltlich abzulaufen hat. Wir können kein ausbeuterisches System unterstützen, was lediglich die Künstler am meisten entlohnt, welche den größten und besten kommerzieller Buisnessapparat aus Galeristen, Manager etc. besitzen, Wir können nicht ignorieren, dass so viele gutverdienenden Künstler nur bestehen, welche sich am meisten dem Mainstream beugen und Konsumgüter produzieren, welche den Namen „Kunst“ nicht verdienen. Wir können nicht ignorieren, dass Künstler, welche authentisch und sich und ihrer Kunst treu bleiben wollen, für ihr Handeln bestraft werden und durch Manager, Galeristen und Marktzwänge zu prostituitiven Kompromissen gezwungen werden um die Geldmaschine am Laufen zu halten. Wir können nicht ignorieren, dass Priorität des Kunstmarktes ist, immer mehr Geld zu scheffeln, auch wenn es zu Lasten der Kunst und des Künstlers geht.

Um es auf den Punkt zu bringen – wenn jemand die Ausbeutung und Entwertung der Kunst vorantreibt, dann sind es die Regeln des Kunst- und arbeitsmarkts, sowie dem heutigen System aus Lohnarbeit, Beschäftigung und Entlohnung.

So traurig es auch ist, wir werden dies mit Atomino nicht ändern können. Ausbeutung und Entwertung ist bereits präsent. Was wir wollen und können, ist zu versuchen, allen unseren Künstlern faire und gleiche Konditionen zu bieten.

Unser anders Prinzip – der freie Eintritt zur gesamten Veranstaltung – hat mit unseren Besuchern zu tun. Sie sind nicht verpflichtet, einen Eintritt zu bezahlen, dadurch hoffen wir, einen Konsum-Faktor zu eliminieren. Wir wissen, das ist extrem gefährlich, denn Besucher sind es normalerweise gewöhnt, den Wert von Kunst mit Geld zu messen.

Was aber passiert, wenn der Besucher nicht bezahlt? Wird er glauben, dass dieses Festival und die präsentierte Kunst keinen Wert hat? Wie können Besucher dem einen Wert geben, was ihnen gezeigt wird? Wie können sie die beteiligten Künstler unterstützen?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man die Beziehung zwischen Besucher/Bürger und Künstler näher beleuchten. Und beobachten, wie sich die Beziehung in dem speziellen Umfeld des Festivals entwickelt.

 

 

Wie sehen sich die Besucher im Vergleich zu den Künstlern? Wie schätzen sie generell die Arbeit eines Künstlers ein? Wozu brauchen wir Kunst? Wer soll bestimmen, welche Kunst gemacht werden darf? Was unterscheidet mich als Besucher vom Künstler?

All dieser Fragen entledigt man sich oft einfach, indem man am Eingang einen Eintritt bezahlt. Denn damit ist die Frage nach dem Wert erledigt und man schaut sich die Veranstaltung an, mit besonderen Erwartungen, die abhängig von der Höhe des Eintrittsgelds sind. Bezahle ich 20€ kann es schon passieren, dass man sich ärgert, „so viel Geld“ für etwas scheinbar „Sinnloses“ ausgegeben zu haben. Bei 5€ Eintritt freut sich der Besucher vielleicht dass es so günstig ist, denkt aber nicht weiter darüber nach, warum. Beim Klingelbeutel der herumgeht, kann man selbst entscheiden, wie viel Geld einem das Gebotene Wert war.

Wir wollen keinen Klingelbeutel. Wir wollem jeden Besucher die Möglichkeit geben, darüber nachzudenken wie er der Kunst und dem Festival einen Wert beimessen will. Ohne Geld. Daher akzeptieren wir auch keine Spenden von Besuchern. Unserer Meinung nach kann man sich durch Spenden ziemlich leicht dem Denken „entledigen“.

Wir wollen einen Dialog anregen, der auch weitere Fragen aufwerfen kann: Was ist Arbeit? Wieviel ist die Arbeit eines Künstlers wert? Wieviel ist meine Arbeit wert? Was soll ein Künstler verdienen? Was würde passieren, wenn Künstler und Bürger gleich viel verdienen würden? Wer in unserer Gesellschaft soll Kunst und Künstler finanzieren?

Ein anderer Aspekt:

Wir hätten zum Beispiel 20€ Eintritt nehmen können und mit Publicity und etwas Glück 1000 Besucher empfangen. Von diesen 20.000€ nehmen wir 10.000€ um die 50 Künstler zu bezahlen, wofür jeder Künstler 200€ bekommen könnte. Die anderen 10.000€ behalten wir als Organisatoren. Es wäre ein weiteres erfolgreiches Festival welches Geld für Künstler und Veranstalter einspielt. Die Besucher müssen nicht denken, sondern lediglich bezahlen und können nach Gewohnheit die dargebotene Kunst mit Geld werten. Das Traurige daran ist, dass wir mit dieser Möglichkeit weit weniger Kritik geerntet hätten.

Wir wollen jedoch kein erfolgreiches Festival nach den herrschenden Regeln des Kunstmarktes. Wir wollen ein erfolgreiches Festival nach unserem eigenen Verständnis.

Wir wollen neue Methoden, durch die Kunst und Künstler gefördert werden können!

 

Übrigens, wir haben ab und zu auch positives Feedback:

Sure it will be a great pleasure to be more than just a “consumer” ;) at the ‘Atomino’
Franzi F.

Es wird auf jeden Fall ein Vergnügen, bei Atomino mehr zu sein als nur Konsument ;)!“


What is the definition of experimental art?

In which ways is art experimental or not experimental?

We chose the word experimental on purpose. It gives you directly associations and provokes questions. Experimental art can be made in every century of mankind.

Experimental art can be invention, contemporary, weird, improvisation, mash up, etc.

One important caracteristic is, that experimental art is mostly non-commercial. That means that process of making art is not mainly money-oriented. Artists doesn’t have to fullfill an objective to feed with their work an art market or to please a certain kind of audience. Artists can work free on something that they have a need to.

On the other hand, not all non-commercial art is experimental. When we speak about experimental, we mean progressive forms of art and art concepts. They can be contemporary, but they are not obliged to.

Therefore “Experimental” is an interesting box because it is not dependent on time. A lot of people called William Blake, van Gogh, John Cage or Beuys experimental.

Experimental art is often misunderstood in its century, people who are confronted with this kind of art often doesn’t know what is has to do with them. One reason is, that experimental art takes the forms of now to point in the future. They provide a look into the future. In this way, the artist can be understood as a prophet who can feel vibes and waves of what happens now in the society and where we move towards. The artist as inventor of things which seem useless to us show us something which is beyond our time we live in. It transports personal views of a collective unconciousness.

This sounds very serious, but experimental art doesnt have to be so serious at all. Often it maintains a game character, on the first look a very simple message or “foolish” acts.

Art with experimental character lives in the present and integrate influences naturally. It doesnt want to be monolithic, its fluid and not easy to fix. It allows interactions with other artists and citizens.

New models of art distribution

Digital distribution of digital media

Some argue that art, and moreover experimental works, are usually possible because of the individual effort of the artist. It is true that this society we live in has been constructed around an ethos of individual ownership but we believe that this ethos should be replaced and doesn’t fit well anymore in the new/upcoming models of artist distribution.

Note that we say replaced and not removed, we look actively for this something that fills the gap since our critical to the establishment cannot be other that constructive, that is: helping to build an alternative. This alternative will never be a pure one, since the basic rules in our social system cannot be changed, or if so, it is a responsibility that only politicians can face.

The old attitude towards the artwork made in the past a certain unsurpassable distance between the artist and the citizen, a distance that since the digital revolution has been shortened every milestone.

Imagine a world where all Art enjoy the same distribution conditions. In such scenario, the influence of the great labels and producer business would be minimized, probably up to a point where most of them would not find profitable anymore to invest in the majority of their art produced.

Imagine these business being replaced progressively by groups of involved artists/curators the don’t find in money the first priority in order to make decisions. Furthermore, lets imagine how a gift economy would work in application to Art.

Let’s face it: with the entry of the digital media, there is no more scarcity in the Art Market and if so, it is an artificial trick by the established players in the so-called Art Market. Does it mean that Gift Economy is more appropriate in this abundance scenario we live in?

A fundamental question:

Is it possible to establish a reciprocal altruism between artists, citizens and curators? And if so, are all the actors involved ready?

In order to achieve a maybe not so utopical reciprocal altruism in Art, most important in our opinion is trying to work in a no-business scenario. That means that noone will try “to make it”, “to get to the top” or “to shine”. That means a serious, profound and expressly renounce to stand out from the rest regarding economic interest, more specifically renouncing to maximize the benefits of the inversion made in art projects.

Prediction

Our bet is that most art business should be replaced by non-profit foundations and crowdfounding associations. These last organizations will be more in number and will operate with a fraction of the budget that the old companies needed to survive in the old Art Market.

More in number means more diferent directions, more alternatives, more specialized trends, as opposite as the old mass media that promulgated monolithic/conformist thinking, which was the only one to be assumed by the Market rules. The same that granted money all the value of the richness production.

Quote:

“essentially a gift economy, poetry is the perfect space to practice utopian politics. Freed from profit-making constraints or cumbersome fabrication considerations, information can literally ‘be free’”
Ubuweb wants to be free by Kenneth Goldsmith
http://epc.buffalo.edu/authors/goldsmith/ubuweb.html

Nowadays any digital art (or any form of art that can be digitized) is a great platform to practice utopian politics, everything susceptible to be converted to 0s and 1s makes it a piece of information that costs virtually cero but which value is much more difficult first to estimate and second to face and accept.

In order to make progressions in this estimation we need to confront the work, the artist and the citizen, and as said before under some fair homogeneus distribution conditions, otherwise we will be continuously confronted with privileged positions and altars that configure marketing as part of the creative process.

Examples of alternative distributions

We are not alone, there are out there numerous examples of creative ways to distribute art.

Ubuweb for instance offers for free digital versions of hard-to-find material.

Another example is the crowdfunding, where anyone can participate in the production of a movie giving small quantities of money, this movement was initiated in Spain by the movie El Cosmonauta. Gruppo Farfa in Italy is practicing crowdfunding also.

We would like to mention independent producers like spanish Luis Miñarro, that make possible the distribution of high quality films that most of the times had a minimal production cost.

Ruidemos is a label based in Granada, Spain that offers their whole sound catalog for free. Their editorial line is open and eclectic: bruitisme, electronic, experimentalism, fantasy, melodies, acustical sounds y and mash up.